La Fontaine: Der Affe als Richter zwischen Wolf und Fuchs

0

Posted by frosch | Posted in La Fontaine | Posted on 23-12-2009

Tags:, , ,

Einst klagt’ ein Wolf, man habe ihn beraubt,
und Nachbars Fuchs, bekannt für schlechten Lebenswandel,
klagt er des Diebstahls an, an den er selbst nicht glaubt.
Es führten vor des Affen Richterhaupt
in eigener Person die zwei Parteien den Handel.
Seit Paviansgedenken saß man nicht
in so verzwicktem Falle zu Gericht.

Der arme Richter schwitzt auf seinem Stuhle;
doch durch ihr Schreien hin und her
mit Schwur und Gegenschwur sah er,
dass alle beide war’n aus übler Schule.
Er sprach: »Ich kenn’ euch zwei viel besser, als ihr glaubt,
und straf’ euch beide unverhohlen;
du jammerst, Wolf, obgleich dir niemand was geraubt,
du aber, Fuchs, du hast trotz alledem gestohlen.«

Der Richter meint’, dass der kein falsches Urteil spricht,
der aufs Geratewohl verdammt den Bösewicht.

La Fontaine: Der Rat der Ratten

0

Posted by frosch | Posted in La Fontaine | Posted on 22-12-2009

Tags:, , ,

Ein Kater namens Nagespeck
wütet’ so grimmig unterm Volk der Ratten,
dass kaum mehr eine kam aus dem Versteck.
Gar viele sandte er hinab ins Reich der Schatten.
Der kleine Rest wagt sich, von Angst und Schrecken matt,
nicht aus dem Loch und isst sich kaum zur Hälfte satt.
Als einstmals nun der Held auf fernem Dache war,
galanten Liebesdienst zu frönen,
da, während er sich stolz ergötzt mit seiner Schönen,
versammelt heimlich sich zum Rat der Ratten Schar,
was in der Not man wohl beginne!

Der Obmann rät sogleich mit klugem Sinne:
Das beste wäre, wenn es möglichst bald gelänge,
dass um des Katers Hals man eine Glocke hänge,
so dass, will auf die Jagd er ziehen,
man schon von fern ihn hört und Zeit hat zu entfliehen.
Dass dies das einz’ge Mittel sei,
pflichtete jedermann dem Obmann bei,
denn keiner wusste einen besseren Rettungsweg zu sagen.
Allein wie bindet man dem Nagespeck die Schelle um?
»Ich etwa«, spricht der eine, »ich bin nicht so dumm!«
Ein andrer: »Ich kann’s nicht!« Ohne die Tat zu wagen,
trennte man sich. Versammlungen gar viel
sah ich, wie diese, ohne Zweck und Ziel,
nicht nur von Ratten, nein, von weisen Magistraten,
selbst von geschulten Diplomaten.

Handelt sich’s um weisen Rat –
an Ratsherrn wird es nie gebrechen.
Doch gilt’s entschlossne, frische Tat –
ja, Freund, dann ist kein Mensch zu sprechen!

La Fontaine: Der Fuchs und der Storch

0

Posted by frosch | Posted in La Fontaine | Posted on 19-12-2009

Tags:, ,

Gevatter Fuchs hat einst in Kosten sich gestürzt
und den Gevatter Storch zum Mittagstisch gebeten.
Nicht üppig war das Mahl, nicht reich gewürzt;
statt Austern und Lampreten
gab’s klare Brühe nur – er führt’ ein sparsam Haus.
In flacher Schüssel ward die Brühe aufgetragen;
indes Langschnabel Storch kein Bisschen in den Magen
bekam, schleckt Reineke, der Schelm, das Ganze aus.

Das hat der Storch ihm nicht vergessen.
Er lädt ihn bald darauf zu sich zum Mittagessen.
»Gern«, spricht Herr Reineke, »denn unter Freunden ist
Umständlichkeit nicht angemessen.«
Er läuft geschwind zur angegebnen Frist
zu seines Gastfreunds hohem Neste,
lobt dessen Höflichkeit aufs beste,
findet das Mahl auch schon bereit,
hat Hunger – diesen hat ein Fuchs zu jeder Zeit, -
und schnüffelnd atmet er des Bratens Wohlgerüche,
des leckern, die so süß ihm duften aus der Küche.
Man trägt den Braten auf, doch – welche Pein! –
in Krügen eingepresst, langhalsigen und engen.
Leicht durch die Mündung geht des Storches Schnabel ein,
umsonst dagegen sucht der Fuchs die Schnauze durchzuzwängen.
Hungrig geht er nach Haus und mit gesenktem Haupt,
beschämt den Schwanz ganz eingezogen.

Ihr Schelme, merkt euch das und glaubt:
Wer andere betrügt, wird selbst betrogen.

Rolf Stemmle: Weihnachtsschlaf

0

Posted by frosch | Posted in Rolf Stemmle | Posted on 18-12-2009

Tags:,

Schon wieder schläft der Igel tief,

wenn sich die Weihnachtsfreuden zeigen.

Er schnuppert nur den eignen Mief,

statt Duft von Tannenzweigen.

Sein stilles Blätternest liegt weit

entfernt von Schokoladenrollen,

von Plätzchen, Früchtesüßigkeit,

von Nüssen, Dresdner-Stollen.

Doch dann, im milden Frühlingslicht,

wenn ringsum herrscht die Abnehmplage,

hüpft er als Superleichtgewicht

auf seine Igelwaage

La Fontaine: Die Henne und die Perle

0

Posted by frosch | Posted in La Fontaine | Posted on 17-12-2009

Tags:, ,

Eine Henne fand an einem Ort
eine Perle und trug sie sofort
zu dem Juwelier hinüber:
»Sie hat sicher hohen Preis –
doch das kleinste Körnchen Mais
wäre mir bei weitem lieber.«

Eine Handschrift inhaltreich
erbt’ ein Dummkopf, bracht’ sogleich
sie zum Antiquar hinüber:
»Wertvoll soll sie sein« sagt er,
»doch ein runder Taler wär’
mir bei weitem lieber.«

http://www.fabelnundanderes.at/fontaine_deutsch.htm

La Fontaine: Das Kalb, die Ziege und das Schaf als Genossen des Löwen

0

Posted by frosch | Posted in La Fontaine | Posted on 17-12-2009

Tags:, , , ,

Kalb, Zieg’ und Schaf im Bund mit einem stolzen Leun
die gründeten in grauer Vorzeit Tagen
genossenschaftlich einen Konsumverein
und wollten den Gewinn und den Verlust zu gleichen Teilen tragen.
Auf dem Revier der Ziege fing ein Hirsch sich ein.
Zu den Genossen schickt das brave Tier in Eile.
Sie kommen, und der Leu, indem er um sich blickt,
spricht: »Wir sind vier, drum geht die Beute in vier Teile.«

Zerlegend drauf den Hirsch nach Jägerart geschickt,
nimmt er das beste Stück für sich, und mit Behagen
spricht er: »Das kommt mir zu, weil ich, euch zum Gewinn,
als Leu der Tiere König bin;
Dagegen ist wohl nichts zu sagen!
Rechtmäßig fällt mir ferner zu das zweite Stück;
das Recht des Stärkeren heißt’s in der Politik.
Als Tapferstem wird mir das dritte wohl gebühren!
Und sollte einer wagen, das vierte zu berühren,
so töt’ ich ihn im Augenblick.«

La Fontaine: Der Wolf und der Hund

0

Posted by frosch | Posted in La Fontaine | Posted on 16-12-2009

Tags:, ,

Ein Wolf, der nur noch Knochen war und Haut-
denn wachsam waren stets die Schäferhunde -,
traf eine Dogge, stark und wohlgebaut,
glänzenden Fells und feist, die jagte in der Runde.
»Ha«, dachte Meister Isegrim, »nicht schlecht,
zum Frühstück wäre die mir recht!«
Doch stand bevor ein Kampf, ein heißer,
und unser Hofhund hatte Beißer,
gemacht zu harter Gegenwehr.

Drum kommt der Wolf ganz freundlich her
und spricht ihn an, so ganz von ungefähr,
bewundernd seines Leibes Fülle.
»Dir, lieber Herr, wär’s Euer Wille«,
erwiderte der Hund, »ging’ es so gut wie mir!
Verlasst das wilde Waldrevier.
Eure Vettern hier sind ohne Zweifel
nur dürftige Schlucker, arme Teufel.
Sie lungern da umher, verhungert, nackt und bloß!
Hier füttert keiner Euch, Ihr lebt nur – mit Verlaub –
vom schlechtesten Geschäft, dem Raub.
Drum folgt mir, und Euch winkt – ein besser Los.«
»Was«, sprach der Wolf, »hab’ ich dafür zu leisten?«

»Fast nichts!« entgegnete der Hund. »Man überlässt die Jagd
den Menschen, denen sie behagt,
schmeichelt den Dienern, doch dem Herrn am meisten.
Dafür erhält man dann die nicht verspeisten
Essensreste stets zum Lohn, oft Bissen leckrer Art,
Hühner- und Taubenknöchlein zart,
von andern Köstlichkeiten ganz zu schweigen!«

Schon träumt der Wolf gerührt von künft’gen Glück,
und Tränen fast dem Aug’ entsteigen;
da plötzlich sieht er, dass am Halse kahl der Hund.
»Was ist das?« fragt er. – »Nichts!« »Wie? Nichts?«
»Hat nichts zu sagen!«
»Wirklich?« – »Das Halsband drückte hier mich wund,
woran die Kette hängt, die wir mitunter tragen.«
»Die Kette?« fragt der Wolf. »Bist du nicht frei?«
»Nicht immer; doch was ist daran gelegen?«
»So viel, dass ich dein Glück, all deine Schwelgerei
verachte! Bötst du meinetwegen
mir einen Schatz – um diesen Preis, sieh, ich verschmäht in doch!«
Sprach’s, lief zum Wald zurück – und läuft dort heute noch.

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de


Blogkatalog

La Fontaine: Die Grille und die Ameise

0

Posted by frosch | Posted in La Fontaine | Posted on 15-12-2009

Tags:, , ,

Die Grille, die den Sommer lang zirpt’ und sang,
litt, da nun der Winter droht’,
harte Zeit und bittre Not:
Nicht das kleinste Würmchen nur,
und von Fliegen keine Spur!
Und vor Hunger weinend leise,
schlich sie zur Nachbarin Ameise,
und fleht’ sie an in ihrer Not,
ihr zu leihn ein Stückchen Brot,
bis der Sommer wiederkehre.
»Hör«, sagt sie, »auf Grillenehre,
vor der Ernte noch bezahl’
Zins ich dir und Kapital.«

Die Ameise, die wie manche lieben
Leut’ ihr Geld nicht gern verleiht,
fragt’ die Borgerin: »Zur Sommerszeit,
sag doch, was hast du da getrieben?«

»Tag und Nacht hab’ ich ergötzt
durch mein Singen alle Leut’.«

»Durch dein Singen? Sehr erfreut!
Weißt du was? Dann tanze jetzt!«

Vom Fuchs und dem Karpfen (sibirische Fabel)

0

Posted by frosch | Posted in Uncategorized | Posted on 14-12-2009

Tags:, ,

Einmal vor langer Zeit lief der Fuchs an einem Fluss entlang und gewahrte nahe beim Ufer eine Karpfen, der im Schlamm lag und sich nicht rührte.
Der Fuchs sagte: “Stimmt es, Karpfen, dass du nicht laufen kannst?” —
“Aber keine Rede, Fuchs, ich kann genauso schnell laufen wie du,” erwiderte der Karpfen.
Der Fuchs schüttelte ungläubig seinen Kopf: “Das glaube ich dir nie und nimmer!” —”Auch gut,” meinte der Karpfen, “dann können wir ja wetten.”
Der Fuchs war gleich einverstanden und wettete mit dem Karpfen, wer schneller bis zur Mündung des Flusses laufen würde. Der Fuchs wollte natürlich den Weg am Ufer nehmen, der Karpfen im Wasser. Aber der Karpfen war viel zu faul, mit dem Fuchs um die Wette zu laufen, und erzählte dem Karpfen, der neben ihm im Schlamm lag, von seiner Wette. Der berichtete die Geschichte dem nächsten, der seinem Nachbarn und so ging es weiter, bis schließlich alle Karpfen im ganzen Fluss die Wette mit dem Fuchs kannten.

Der Fuchs lief so schnell er konnte am Fluss entlang und rief nach einiger Zeit: “Karpfen, bist du da?” Darauf antwortete der nächste Karpfen im Fluss: “Jawohl, hier bin ich!”
Der Fuchs lief noch schneller und rief nach einer Weile wieder: “Karpfen, bist du da?”
Und wieder entgegnete der nächste Karpfen: “Jawohl, hier bin ich!”
Der Fuchs rannte jetzt, was hast du, was kannst du, den Weg entlang, aber jedes Mal, wenn er atemlos rief: “Karpfen, bist du da?” bekam er zur Antwort: “Jawohl, hier bin ich!” Endlich erreichte der Fuchs vollkommen erschöpft die Mündung des Flusses und rief zum letzten Mal: “Karpfen, bist du da?” Worauf der letzte Karpfen, der faul im Schlamm lag, brummte: “Jawohl, hier bin ich Fuchs, hast du aber lange gebraucht!”

Seit dieser Zeit spricht kein Fuchs mehr mit den Fischen.

La Fontaine: Der Frosch, der so groß werden wollte wie der Stier

0

Posted by frosch | Posted in La Fontaine | Posted on 14-12-2009

Tags:, ,

Ein Frosch sah einstmals einen Stier,
und war sehr angetan von der Gestalt.
Kaum größer als ein Ei, war doch voll Neid das Tier:
es reckt sich mächtig hoch und bläht sich mit Gewalt,
weil es so gern so groß wie dieser wär’
Drauf spricht es: »Bruder, sieh doch her,
ist es genug? Bin ich so groß wie du?« – »O nein!«
»Jetzt aber?« – »Nein!« – »Doch nun? Sag’s mir!«
»Wie du dich auch ermattst,
du wirst mir niemals gleich!« Das arme kleine Tier
bläht sich und bläht sich – bis es platzt.

Wie viele gibt’s, die nur nach eitler Größe dürsten!
Der Bürger tät’ es gern dem hohen Adel gleich;
das kleinste Fürstentum spielt Königreich,
und jeder Graf gibt sich als Fürsten.